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Wie setzt man eines der größten Videospiele aller Zeiten fort? Sony Santa Monica befindet sich in einer ähnlichen Lage wie Francis Ford Coppola, als er die Fortsetzung seines Mafiafilm-Meisterwerks Der Pate drehte. Wie der zweite Teil der Corleone-Geschichte nimmt God of War Ragnarok ein ungestümes, jüngeres Familienmitglied direkt unter die Lupe. Dabei erreicht es die Höhen seines Vorgängers und überragt ihn in mancher Hinsicht sogar. Texte, darstellerische Leistungen und Musik sind jeweils herausragend und erwecken diesen weitläufigen nordischen Bilderteppich zum Leben – doch während es mit seiner elegant erzählten Geschichte in der einen Hand dein Herz hält, zermalmt es mit der anderen Knochen in fantastisch wilden Kämpfen. All das verbindet sich zu einem monumentalen Action-Epos, das der Videospiellandschaft ein weiteres beeindruckendes Wahrzeichen hinzufügt.
Erfolgreiche Fortsetzungen bauen auf vielfältige Weise auf ihren Vorgängern auf – man denke an Mass Effect 2, Assassin's Creed 2 und Uncharted 2. Sie alle verbessern das Vorangegangene, indem sie spannende neue Spielmechaniken ersinnen, Figuren durch fesselnde Geschichten entwickeln und das Missionsdesign für Abwechslung variieren. Mit anderen Worten: Sie nehmen eine solide Basis und verbinden sie mit neuen Elementen zu festeren Bindungen, ganz wie bei einer Legierung – englisch „alloy“ … oder in diesem Fall einer Aloy. Horizon Forbidden West gelingt das mit Bravour: Es baut auf dem ohnehin beeindruckenden Fundament von Horizon Zero Dawn aus dem Jahr 2017 auf und erzählt eine packende Geschichte voller vertrauter, explosiver Kämpfe gegen ausgeklügelte Robotergegner und Actionsequenzen im Blockbuster-Format, ergänzt die Karte aber auch um Siedlungen wie in The Witcher und füllt sie mit großartigen Nebenquests. Es gibt ein echtes Gefühl von Entdeckung und jede Menge fesselnde Hintergrundgeschichte zu ergründen. Das Ergebnis ist ein fantastisches Open-World-Action-Adventure, das trotz einiger alter Gewohnheiten die Versprechen von vor fünf Jahren mit Nachdruck einlöst.
The Legend of Zelda: Breath of the Wild hat eine 30 Jahre alte Reihe auf eine Weise neu erfunden, wie man es selten erlebt. Nachdem Skyward Sword eine etwas linearere, stärker storygetriebene Kampagne geboten hatte, als die meisten Fans gewohnt waren, schwenkte Breath of the Wild dramatisch in die entgegengesetzte Richtung um. Plötzlich konnte man überallhin gehen und alles in beliebiger Reihenfolge erklimmen – und du meine Güte, es gab jede Menge Auswahl.
Es gibt reichlich berechtigte Kritik an Breath of the Wild, häufig etwa das Fehlen klassischer Zelda-Dungeons und -Gegenstände. Wirklich beeindruckend ist aber, wie sehr es das Herz eines Zelda-Spiels bewahrt hat, obwohl es fast jedes System drumherum verändert hat. In gewissem Maße ging es bei Zelda schon immer um Erkundung und Entscheidungsfreiheit, und Breath of the Wild hat diese Aspekte schlicht über alles andere gestellt und ermöglicht – und die Welt zudem zu einem Ort gemacht, der auf diese Entscheidungen reagiert. Es gibt einfach so viel zu sehen, so viele Menschen zu treffen und Geheimnisse zu entdecken, die überall in dieser längst verwüsteten Version von Hyrule verborgen sind.